|
Der Geist soll von allen Ablenkungen und Störungen freigemacht werden.
Letztlich soll man auch von der Absicht zu siegen frei werden, einerseits
weil dies schon die Aufmerksamkeit bindet und so die Konzentration auf
die Technik beeinträchtigt wird, andererseits soll durch diese mentale
Grundhaltung auch der Charakter reifen und nicht der Wille zum Siegen
als letztes Ziel gefördert werden.
Das Üben von Karatetechniken bei voller Konzentration (= Zanshin)
entspricht damit sowohl der Zenlehre, also dem Prinzip des leeren Geistes,
als auch dem des Karate (=leere Hand), womit ursprünglich das Prinzip
des waffenlosen Kampfes gemeint war.
Ein weiteres wichtiges geistiges Prinzip ist jenes des Do, das wohl am
besten mit Weg übersetzt wird, also Karate-Do, heißt der Weg
des Karate.
Die ständige Wiederholung von Grundtechniken führen nicht nur
zur Verbesserung der technischen Fähigkeiten, sondern auch zur inneren
Entwicklung weil hier das Prinzip des beharrlichen konzentrierten Übens,
ähnlich wie bei der Zen-Meditation verwirklicht wird, vorausgesetzt
der Übende bemüht sich wirklich um die totale Konzentration
auf die gerade durchgeführte Technik.
Auch die Einsicht, dass sich die Karatetechnik nicht in ein paar Monaten
erlernen lässt, sondern dass eben jahrelanges beharrliches Üben
notwendig ist, führt zu einer inneren Entwicklung im Sinne des „Do“.
Eine wesentliche Aussage des Do-Begriffes, ist, dass der Weg zum Ziel
gemacht wird. Das Entscheidende ist also die ständige Übung
die zur körperlichen und geistigen Reifung führt.
Es ist wohl eine allgemein bekannte Lebensweisheit, dass man ohne eine
gewisse Ausdauer kein Ziel erreichen kann. Karatetraining wirkt sich so
auch günstig als allgemeine „Lebensschulung“ aus.
Jedenfalls wird jeder, der sich der Mühe eines langen ernsthaft geführten
Trainings aussetzt, durch eine körperliche und geistige Entwicklung
belohnt. Dies ist wichtiger als das Gewinnen von Wettkämpfen. Wer
sich auf den Weg eines regelmäßigen Karatetrainings begibt,
ist auf jeden Fall aufgerufen, sich auch mit dessen geistigem Hintergrund
zu beschäftigen.
|